Von der Kunst, mit dem Fahrradlenker Bäume zu pflanzen

von Matthias Reuter

CDU-Gemeindeverbände Löbau und Am Kottmar starten gemeinsam Pflanzaktion

Es geht ganz einfach: Ein Schlag mit der spitzen Seite, dann rumdrehen und kräftig zuschlagen. Einmal nach vorn, zurück, Hacke nach rechts drücken, Baum rein, bissl hochziehen, Hacke raus, Erde antreten, fertig. Maik Sprengler vom Löbauer Stadtforst lächelt und drückt mir auffordernd die Pflanzhacke in die Hand.

Pflanzen mit der Wiedehopf-Hacke
Pflanzen mit der Wiedehopf-Hacke

Los geht’s. Heute sollen 200 junge Traubeneichen am Löbauer Berg in die Erde. Auf der kahlen Fläche kurz unterhalb der Turmgaststätte sieht es gerade ziemlich wüst aus. Erst hat der Borkenkäfer ganze Arbeit geleistet. Keine Fichte bleibt verschont. War auch ein leichtes Spiel für die Millionen kleiner, gefräßiger Larven. Immer schön eine Fichte neben der anderen. Geschwächt durch trockene Sommer und heftige Herbststürme. Übrig bleiben nur traurige Spargel ohne eine einzige grüne Nadel. Nach dem Käfer kommt der Harvester. Die riesige Holzerntemaschine frisst sich durch den Wald, spuckt die nackten Stämme aus und walzt die Äste in den Boden. Dieses Bild bietet sich dem Wanderer derzeit an vielen Stellen in der Oberlausitz.

gerade soll sie stehen und fest muss sie sein

Gar nicht schön, da müssen wir was tun! Dachten sich zumindest die Mitglieder der CDU-Ortsverbände Löbau und Kottmar. Gemeinsam wollen wir dabei mithelfen, den Wald wieder grün zu machen. Corona wollte uns einen Strich durch die Rechnung haben – haben wir aber nicht zugelassen. Deshalb sind am vergangenen Sonnabend je zwei Mitglieder aus beiden Ortsverbänden auf den Löbauer Berg gekommen. Eine Auftaktveranstaltung gewissermaßen. In kleiner Runde, ohne dass es hinterher ein Wildschwein vom Spieß gibt…

Die AHA-Regeln zur Pandemiebekämpfung bekommen an diesem grauen Novembermorgen teilweise eine andere Bedeutung: A wie Abstand halten, klar. Mindestens eine Hackenlänge bis zum nächsten Setzling. H wie Hacke nicht auf die Zehen hauen. A wie Antreten bis die Erde fest um die Wurzel liegt.

Also, wie war das? Ein kräftiger Hieb mit der Hacke und schon – klong. Meine Hacke kippt zur Seite, Funken sprühen aus der Erde. Typisch, kaum angefangen, schon einen Felsen getroffen. Also ein Stück weiter vor, immer noch Felsen. Verflixt. Der Löbauer Berg macht es uns nicht gerade leicht. Unter zehn Zentimetern Fichtenmulch liegt gerade eine Spatenbreite Erde, dann kommt häufig schon der nackte Fels. Hilft aber nix, die Eichen haben Pfahlwurzel und die müssen nun mal gerade nach unten zeigen. Es dauert nicht lange und wir geben es auf, gerade an der Schnur entlang zu pflanzen. Ein junger Baum nach dem anderen findet seinen Platz. Zwischendurch ein wilder Ahorn oder Holunderstrauch? Auch in Ordnung, lassen wir wachsen.

Außer der Pflanzhacke lernen wir noch ein tolles anderes Pflanzgerät kennen – den sogenannten »Göttinger Fahrradlenker«. Das ist genau das richtige Werkzeug für Martin Noack – bekannt als »Radl-Martin«. Mit Schwung stößt er das blanke Metall in die Erde. »Fehlt bloß die Klingel« sagt er und versenkt eine weitere junge Eiche im Boden.

Zwischendurch lernen wir einiges über den Waldumbau. Bald fachsimpeln wir wie alte Hasen über die Unterschiede von Trauben- und Stileiche und ihre bevorzugten Standorte. Wir sprechen über die unterschiedlichen Höhenlagen am Kottmar, den Klimawandel, warum junge Tannen Frostschutz brauchen und ob die Zeder der Nadelbaum der Zukunft bei uns wird. Oder auch nicht.

Kurz vor dem Mittag ist es geschafft. Fast alle Eichen haben ihren Platz gefunden. Zwölf Stück packen wir wieder ein – die müssen mit hinüber zum Kottmar. Zum Schluss noch schnell ein kleiner Farbspritzer an jeden Baum, damit die Leute vom Forst sie wiederfinden. In der nächsten Woche bekommen die jungen Bäume nämlich noch einen Schutz verpasst. Die Rehe können was anderes fressen – unsere jungen Bäume bekommen sie jedenfalls nicht.

200 Euro Ehrenamts-Budget = 200 kleine Eichen

Bevor wir uns verabschieden, gibt es noch ein Foto mit dem Scheck vom Ehrenamts-Budget. Der Freistaat Sachsen fördert freiwilliges Engagement und stellt den Landkreisen dafür jedes Jahr 200.000 Euro zur Verfügung. Einen kleinen Teil davon nutzen wir unsere Pflanzaktion. Damit der Wald am Löbauer Berg und am Kottmar wieder richtig grün wird.

Am Nachmittag fahre ich mit Jens Nieders nochmal schnell hoch auf den Kupper. Gemeinsam bringen wir die zwölf übrigen Eichen in die Erde. Oben an der Schanze ist viel Platz dafür. Zu viel. Unser Blick schweift über die riesigen kahlen Flächen unter uns. Dann auf das kleine Quadrat, in dem die kleinen Eichen wie zum Trotz ihre kleinen Stämmchen in den Abendhimmel recken. Auch das ein symbolischer Auftakt für eine weitere Pflanzaktion im nächsten Jahr. Wir kommen wieder, versprochen. Vielleicht kann ich mit meinen Enkeln irgendwann unter einem grünen Blätterdach sitzen und sagen: »Vor vielen Jahren, da stand hier kein Baum, war alles offen so weit das Auge reicht. Und dann haben wir einfach angefangen. Mit einem neuen Wald.«

500 Euro Ehrenamts-Budget = noch mehr Bäume, und eine Hacke für zukünftige Einsätze, vielleicht noch eine Schautafel zum Waldumbau?

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